Da ja im Thread "Foto's einer Toten" oft von Paparazzi gesprochen wird,dachte ich mir ich zeig euch mal folgendes...
Quelle :
www.msn.de
Wie sich das für eine Geschichte über Paparazzi gehört, beginnt alles mit quietschenden Reifen und einem Adrenalinschub. Gerade meldet die Zentrale, dass ein Informant Uma Thurman vor einem Luxushotel im Londoner Stadtteil Chelsea gesehen haben will. „Bin unterwegs“, murmelt Paul Chesterton ins Mobiltelefon. Er dreht den Zündschlüssel seines Golfs, dessen Scheiben er mit dunkler Folie ausgeklebt hat, und tritt aufs Gas.
Uma Thurman auf der Spur
Uma Thurman! Endlich eine Spur am späten Nachmittag eines Tages, an dem Paparazzo Chesterton und Assistent Rich stundenlang vor einigen Boutiquen warteten, bis sie aus Langeweile immer wieder im Kreis fuhren. Jemand hatte das Gerücht gestreut, Geri Halliwell, das hochschwangere Ex-Spicegirl, sei einkaufen gegangen.
„Kennen wir jemanden in der Umgebung des Hotels?“, fragt Chesterton seinen Partner, doch der schüttelt den Kopf. Überall in der Stadt halten Späher für ein Trinkgeld die Augen offen, Kellner, Verkäufer, manchmal auch Taugenichtse, die an Bushaltestellen herumlungern. Chesterton muss hart bremsen, weil vor ihm ein Bus in den Verkehr einschert. Er presst einen Fluch durch die Zähne.
Es sind genau diese Augenblicke, derentwegen Chesterton seinen Beruf so liebt. Das Gefühl, auf der Jagd zu sein, das Abenteuer im Alltag. Er ignoriert eine rote Ampel und biegt ab. Das alles hat es in seinem alten Job nicht gegeben.
Die Bilder-Maschine
Noch vor zwei Jahren steuerte Chesterton, ein großer, schwerer Kerl mit ziemlich kahlem Schädel und Armen, die aussehen, als könne er den Golf notfalls nach Hause tragen, einen Lastwagen durch die Gegend. Bis er zufällig einem Kumpel im Fußballstadion erzählte, dass er Arbeit suche und gern fotografiere. Der Kumpel erzählte das jemandem von Big Pictures, einer der größten und erfolgreichsten Paparazzi-Agenturen der Welt. So kam es, dass auf dem Sitz hinter Fernfahrer Chesterton nun eine Kamera samt monströsem 500-Millimeter-Objektiv liegt.
Chesterton ist einer von 26 fest angestellten „Paps“ (gesprochen: Päps), die Big Pictures allein in London einsetzt: Wie viele hundert Freiberufler von Los Angeles bis Auckland den Stars auflauern, weiß man selbst in der Zentrale, 50–54 Clerkenwell Road, nicht so genau. Mehr als 150 Mitarbeiter in neun Filialen von New York, Dubai bis Sydney bearbeiten und verkaufen Bilder im Schichtbetrieb. Big Pictures ist eine Maschine für Paparazzi-Aufnahmen, die weltweit 24 Stunden täglich und sieben Tagen in der Woche läuft.
Der König der Paparazzi
Der Mann, der innerhalb weniger Jahre aus einem Hinterzimmer in Londons Eastend eine Zentrale für Prominentenbelästigungen erschuf, heißt Darryn Lyons. Er sieht genau so aus, wie man sich den König der Paparazzi vorstellt: ein klein gewachsener Australier, der seine Haare in Rot, Grün und Gelb färben ließ und dazu ein buntes Hemd trägt, aufgeknöpft bis zum Bauchnabel. Auf seiner Brust liegt ein mit Edelsteinen besetztes Kreuz.
Lyons ist braun gebrannt, seit er das Wochenende an Bord seiner Superjacht „Australia IV“ verbrachte, die gerade vor St-Tropez ankert. Sein Vermögen wird auf knapp 60 Millionen Pfund Sterling geschätzt.
Lyons sitzt auf einem Stuhl, der offensichtlich an einen Thron erinnern soll und mit rotem Leder bezogen ist. Auf dem Schreibtisch vor ihm entdeckt man einige Auszeichnungen in Holz, in Richtung Besucher gedreht: „British press photographer of the year“, daneben ein Löwe aus Stoff, ein Schild: „Ich verstehe nur JA“ sowie eine Sonnenbrille mit Gläsern in Rosa. Durch die Tür dringt der Sound eines Großraumbüros, Telefongeklingel, Stimmengewirr. In einer Ecke döst Cockerspaniel Amber.
Das Leben des Darryn Lyons dauert bislang 42 Jahre, und einige Szenen daraus konnten sich die Briten unlängst in der BBC-Serie „Paparazzi“ anschauen: Held der Reality-Serie war Lyons. Aufgewachsen in der Provinzstadt Geelong, begann er mit 17 seine Karriere als Fotograf der Geelong News. Mit 22 Jahren und 500 Pfund in der Tasche zog er von Geelong nach London und heuerte beim Boulevardblatt Daily Mail an. Lyons arbeitete härter als jeder andere, verzichtete manchmal tagelang auf Schlaf, immer getrieben von seinem Ehrgeiz, „Ich wollte jeden Tag die Titelseite haben – und die Rückseite natürlich auch.“ Er grinst, aber man spürt: Er meint das ernst.
1991 riskierte er den Einsatz als Kriegsfotograf auf dem Balkan, zunächst in Sarajewo. In Bosnien entführte ihn ein serbisches Kommando. „Sie haben mir ein paarmal ins Gesicht geschlagen, mich angespuckt und zum Schein exekutiert“, berichtet Lyons. Nach einem Tag ließen ihn seine Kidnapper frei. „Das war ein Wendepunkt für mich“, sagt Lyons und fährt sich dabei durch den Farbkasten auf seinem Kopf. „Mir wurde auf einen Schlag klar, wie schnell alles vorbei sein kann. Und dann kam mir eine Idee.“
Der silberfarbene Golf der Paparazzi rast weiter Richtung Chelsea, als Beifahrer Rich aufschreit: „Fuck! Schau mal da!“ Chesterton legt eine Vollbremsung hin und stoppt genau vor einer Filiale von Dolce&Gabbana, aus der gerade eine junge Frau im Minirock tänzelt: Tara Palmer-Tomkinson, Ex-Babysitterin der Prinzen William und Harry, später von Beruf Partymaus, dann Geliebte von Schmusesänger James Blunt und jetzt Muse von Robbie Williams. Eine Art englische Naddel mit Großhirn. Heiße Ware also auf dem Paparazzi-Markt.
Zwei, drei Fotografen stehen plötzlich auf dem Bürgersteig, aus einem anderen Wagen springt noch einer. „Jump! Jump“, entfährt es Chesterton, er langt nach der Kamera auf der Rückbank. Rich steht schon neben dem Wagen, seine Canon im Anschlag: „Tacktacktacktacktack“, acht Bilder in der Sekunde. Hinter dem Golf setzt ein Hupkonzert ein.
Acht Bilder in der Sekunde
Der silberfarbene Golf der Paparazzi rast weiter Richtung Chelsea, als Beifahrer Rich aufschreit: „Fuck! Schau mal da!“ Chesterton legt eine Vollbremsung hin und stoppt genau vor einer Filiale von Dolce&Gabbana, aus der gerade eine junge Frau im Minirock tänzelt: Tara Palmer-Tomkinson, Ex-Babysitterin der Prinzen William und Harry, später von Beruf Partymaus, dann Geliebte von Schmusesänger James Blunt und jetzt Muse von Robbie Williams. Eine Art englische Naddel mit Großhirn. Heiße Ware also auf dem Paparazzi-Markt.
Zwei, drei Fotografen stehen plötzlich auf dem Bürgersteig, aus einem anderen Wagen springt noch einer. „Jump! Jump“, entfährt es Chesterton, er langt nach der Kamera auf der Rückbank. Rich steht schon neben dem Wagen, seine Canon im Anschlag: „Tacktacktacktacktack“, acht Bilder in der Sekunde. Hinter dem Golf setzt ein Hupkonzert ein.
Innerhalb von Minuten sind sechs Fotografen vor Ort, allesamt in Cargohosen, fleckigen Polohemden und ausgetretenen Turnschuhen, als gebe es einen Dresscode für Paparazzi. Sie knipsen, wie TPT (so nennt die Boulevardpresse Tara Palmer-Tomkinson wegen ihres sperrigen Namens) mit einer Einkaufstüte in einen BMW steigt. Chestertons Golf und drei weitere Autos nehmen die Verfolgung auf.
Während Rich die Zentrale anruft, um die neue Entwicklung durchzugeben, erzählt Chesterton, dass ein guter Paparazzo immer den Motor laufen lässt – falls der Prominente entkommen will. Weshalb Hugh Grant sich immer einen Spaß daraus mache, zu den Wagen zu rennen, die Schlüssel abzuziehen und in Vorgärten oder die Straße hinunter zu werfen.
Grant hasst Paparazzi und Londons Paparazzi hassen Grant. „Wenn ich den sehe, klebe ich pausenlos an ihm dran“, erzählt Chesterton, „bis ihn das richtig nervt.“ Im Allgemeinen seien die Prominenten aber, na ja, recht freundlich, wobei er die Umschreibung „recht“ nicht weiter ausführen will. „Sehen Sie“, hebt Chesterton an, „wir machen unseren Job, die machen ihren. Die meisten so genannten Prominenten sind doch froh, dass es uns gibt. Die leben doch nur von ihrer Popularität. Warum kann sich TPT wohl solch einen Wagen leisten?“.
Der merkwürdige Autokorso kommt nun vor dem „Sheraton Park Towers Hotel“ in Westminster an. TPT parkt ein und kann sicher sein, dass jede Sekunde für die Nachwelt festgehalten wird. Sogar, als sie vor dem Parkautomaten steht, klackern die Kameras.
Man fragt sich, welche Zeitung wohl dieses Motiv druckt, als TPT, schon auf dem Weg zum Hotel, abrupt anhält, sich umdreht, auf die Fotografen zukommt und fragt: „Braucht ihr noch ein paar Bilder mehr?“ Erstauntes Nicken von Rich, an dem sie jetzt vorbeigeht. „Aber danach lasst ihr mich für heute in Ruhe.“ Sie öffnet das Verdeck des Sportwagens, fährt die ersten Meter langsam an und lächelt. Dann braust sie davon. Rich grinst, als er zum Golf zurückkehrt. „Hast du ein Bild davon, wie ich ihr auf den Arsch gucke?“, fragt er.
„Ich habe damals als Erster den Trend erkannt, dass aus Prominenten Kultobjekte gemacht wurden und ihr Leben zu einer Art Ersatzreligion“, erklärt Lyons. „Now, Hot Stars, Closer – in Wahrheit haben wir doch all diese Magazine geschaffen.“
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