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ich

Meisterin

Registrierungsdatum: 28. Februar 2004

Beiträge: 1 992

Geschlecht: Weiblich

1

Sonntag, 6. November 2005, 20:46

diskussion entbrannt ...Sind Bergretter zu riskant unterwegs?


Bergretter seien oft selbst schuld, wenn ihnen etwas passiere. Diese Meinung hat ein Tiroler Alpinwisschenschafter bei einem Kongress in Innsbruck vertreten. Der Ausbildungsleiter der Tiroler Bergrettung sieht die Sache anders.


Prioritätenliste
So mussten im letzten Winter bei einem Einsatz zwei Bergretter schwer verletzt geborgen werden. Vier australische Snowboarder, die zuvor in der schwierigen Aktion geborgen wurden, blieben unverletzt.

An oberster Stelle bei einem Einsatz müsse die Sicherheit des Retters stehen. An zweiter Stelle stehe die Sicherheit der Retterkameraden und erst an dritter Stelle auf der Prioritätenliste stehen laut Würtl die Opfer - eine provokante These des Alpinwissenschafters.

Würtl: Bergretter gehen zu weit
Würtl, selbst Bergretter, meint, dass das Risiko bei Einsätzen durch die Gruppendynamik noch verschärft würde. Jeder Retter wolle sein Bestes geben.

Dann passiere es zum Beispiel, dass sich die Retter zu stark mit den Opfer identifizierten und der Wille zum Retten über die Anforderungen der Sicherheit hinausgehe. "Man will alles geben, wenn beispielsweise die Mutter da steht und ihre Kinder vermisst." Auch der Druck der Öffentlichkeit sei stark.


Veider: Bergretter wissen was sie tun
Bei fast allen Einsätzen geht es gut, dass die Retter alles geben, doch sind sich die Retter des Risikos bewusst, oder wird die Gefahr unterschätzt?

Peter Veider, der Ausbildungsleiter der Bergrettung Tirol, meint gegenüber "ORF Tirol heute", es gebe immer ein Restrisiko. Die Bergretter und besonders die Einsatzleiter seien geschult "und meist alte Hasen, sie sehr wohl wissen, was sie tun."

Wo aber sind die Grenzen, wann wird das Risiko zu groß? Eine Frage, die die Bergretter bei jedem Einsatz neu beantworten müssen. Eine Frage die aber auch über Leben oder Tod der zu Bergenden entscheidet.



Quelle Orf Tirol heute




Zitat:
--------------------------------------------------------------------------------
Der Alpinwissenschafter Walter Würtl sagt, das Opfer sei nie schuld, wenn etwas im Einsatz passiere.
--------------------------------------------------------------------------------

....
das find ich besonders "steil",denn wenn die "Opfer" nicht so leichtsinnig,fahrlässig,dumm,verantwortungslos wären,kämen sie gar nicht in die Situation "Opfer" zu werden.

Flehen um ein anderes, besseres Sein


--------

ICH
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Dragonheart

Fortgeschrittener

Registrierungsdatum: 17. Oktober 2005

Beiträge: 444

Geschlecht: Männlich

2

Sonntag, 6. November 2005, 21:02

Tja, wie es schon im Artikel steht, Sicherheit muss bei allen Rettungsaktionen an erster Stelle stehen...
Nur leider ist eben oft der Druck auf die Retter (egal ob jetzt Bergrettung, normale Rettung, Feuerwehr,...) von außen (besonders von Angehörigen und Freunden der Opfer) zu groß und es werden oft unnötige und lebensgefährliche Risiken eingegangen...
Aber ist doch auch verständlich, welcher Retter kann und will - auch wenn ihm rechtlich nichts geschehen kann - mit der Schuld leben, nicht alles ihm mögliche unternommen zu haben, das Opfer zu retten.
Liebe kann so schön sein, aber auch so schmerzhaft. Derzeit durchlebe ich zweiteres....
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Elen

Elbenkriegerin

Registrierungsdatum: 23. Dezember 2003

Beiträge: 2 982

3

Sonntag, 6. November 2005, 23:55

Ich finde seine Prioritätenliste richtig - es nützt auch den Verunglückten nichts, wenn der Retter gleich mit verunglückt.
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der Schütze

Der Pilger

Registrierungsdatum: 24. September 2003

Beiträge: 4 911

4

Montag, 7. November 2005, 12:35

Sei gegrüßt.

Tja, das steht schon auf allen Hinweisen für Brandfälle: erst sich selbst retten, dann anderen helfen.

Aber ich weiß gut, dass Berge eigene Regeln aufstellen. Bergretter zu sein, ist nicht einfach ein Beruf- es ist eine Berufung und daher um vieles persönlicher. Ich denke schon, dass die Sicherheit der Retter vorgehen sollte, jedoch könnte ich niemandem einen Vorwurf daraus machen, der diese "Regel", wenn es darauf ankommt, "vergisst".

Und noch etwas: ich gehe selbst Berg. Du kannst noch so gut gerüstet sein, noch so trainiert- es kann dir immer passieren, dass du in eine lebensgefährliche Notsituation gerätst. Ja, manche Opfer verschulden sich selbst, aber sicherlich nicht ALLE.
der Schütze
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Elen

Elbenkriegerin

Registrierungsdatum: 23. Dezember 2003

Beiträge: 2 982

5

Montag, 7. November 2005, 20:43

Zitat

Original von der Schütze
Und noch etwas: ich gehe selbst Berg. Du kannst noch so gut gerüstet sein, noch so trainiert- es kann dir immer passieren, dass du in eine lebensgefährliche Notsituation gerätst. Ja, manche Opfer verschulden sich selbst, aber sicherlich nicht ALLE.


Das weiss jeder, der auch nur ein einziges Mal ernsthaft in den Bergen war. Die Natur dort ist wunderschön, aber im Zweifelsfall gnadenlos.
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Gutgore

Schüler

Registrierungsdatum: 2. September 2005

Beiträge: 90

Geschlecht: Männlich

6

Montag, 7. November 2005, 22:05

Zitat

Original von ich
[...]Alpinwisschenschafter bei einem Kongress in Innsbruck[...]


Wissenschaftler klingt für mich wie jemand der nie etwas höheres bestiegen hat als seinen Schreibtischstuhl.
Geschmiedet in den brodelnden Flammen des Hasses.
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der Schütze

Der Pilger

Registrierungsdatum: 24. September 2003

Beiträge: 4 911

7

Dienstag, 8. November 2005, 09:48

Guten Morgen.

Zitat

Das weiss jeder, der auch nur ein einziges Mal ernsthaft in den Bergen war. Die Natur dort ist wunderschön, aber im Zweifelsfall gnadenlos.
Gut gesprochen. Genau das meinte ich. Ich meinte allerdings auch die Magie. Dass man sich Dinge vornimmt oder zutraut, die nicht zu schaffen sind. Und man erkennt das nicht, weil einem die Situation etwas anderes vortäuscht. Das betrifft wahrscheinlich viele Extrem- und Grenzmomente, aber eben auch einige, die sich in den Alpen (Bergen generell) abspielen.
der Schütze
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Celest

Profi

Registrierungsdatum: 25. Oktober 2003

Beiträge: 979

Geschlecht: Weiblich

8

Dienstag, 8. November 2005, 14:28

ja, UVV - das wohl langatmigste Thema, das ich kenne. Unfall-Verhütungs-Vorschriften.
Ich denke mal, dass Bergretter sowas genau wie wir in der Feuerwehr lernen müssen: "Eigenschutz geht vor". Das kriegen wir ständig eingetrichtert.
Aber hat sich schon mal jemand beschwert, Feuerwehrleute gingen ein zu hohes Risiko ein und seien selbst Schuld, wenn sie dann drauf gingen? Hab ich noch net gehört.
Genauso, wie wir lernen Gefahren abzuschätzen und zu erkennen, uns immer abzusichern, genauso lernen Bergretter das mit Sicherheit auch. Und kommen ganauso in unvorhersehbare Situationen wie wir auch.
Wie jeder normalsterbliche auch, wenn er unverhofft in eine Notlage gerät!
"Die Wahrheit ist ein eigenartiges und recht seltenes Phänomen.
In der Badewanne der Geschichte ähnelt sie einem Stück Seife, das man nur mit Mühe festhalten kann - vorausgesetzt, man findet es überhaupt."
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DarkAngel

Fortgeschrittener

Registrierungsdatum: 21. Januar 2004

Beiträge: 474

Geschlecht: Männlich

9

Dienstag, 29. November 2005, 22:52

Nun will ich auch mal was zu dem Thema sagen:

Die Antworten/Aussagen von dem Alpinwissenschaftler, (den ich eben bei dem Kongress kennen gelernt habe) wurden total aus dem Zusammenhang genommen.
Der Reporter wollte einfach nur einen Aufhänger für seine Geschichte, und hat das geschickt manipuliert.

Zum zweiten, die beiden Bergretter kommen aus meiner eigenen Ortsstelle, beide Einsatzleiter und ca 20 Jahre fertige Bergretter, einer davon Bergführer.

Der Unfall selbst hatte mit der Rettung der Personen nichts mehr zu tun.

Die Chance dass so etwas passiert, ist in etwa so groß wie wenn jemand über ein Fussballfeld läuft und irgenwo ist ein Loch mit 50x50 Zentimeter!

Wer nicht vor die Tür geht, dem kann es auch passieren, dass er nen Herzinfarkt kriegt!


Jedem von uns kann es auf der Straße passieren dass er zu einem Unfall kommt, da kann (und ist schon vorgekommen *anmerk*) trotz Absicherung noch was passieren.
Sollte der Verletzte deshalb im Stich gelassen werden?

Zurück zu dem Einsatz, der über zwei Tage ging.
Es wurden mehrere Versuche um zu den Personen zu kommen abgebrochen weil es zu gefährlich war.
In einem Zeitfenster von + - 30 min wurden sie geborgen. wäre das nicht möglich gewesen, wären alle erfrohren.
Und jetzt sag mal einer was gewesen wäre, wenn ...
Die Chance war da, und wurde genutzt.
Das danach war Pech, und kann beim privaten Klettern genauso passieren.

-
DarkAngel
Es gibt Tage da verliert man!

Der Mensch interresiert sich nicht mehr für sich selbst. Allein wichtig wird ihm, wem er angehört. Er verschanzt sich nicht, wenn er stirbt, er verschmilzt. Er verliert sich nicht, er findet sich. Das ist nicht der Wunsch eines Moralisten. Das ist die gängige Wahrheit, eine alltägliche Wahrheit, die eine alltägliche Selbsttäuschung mit einer undurchdringlichen Maske überdeckt.
Antoine de Saint Exupéry
Aus "Flug nach Arras"
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Celest

Profi

Registrierungsdatum: 25. Oktober 2003

Beiträge: 979

Geschlecht: Weiblich

10

Mittwoch, 30. November 2005, 21:18

Das is ma wieder typisch Journalismus... War schon fast klar, dass so was hinter steckt.
"Die Wahrheit ist ein eigenartiges und recht seltenes Phänomen.
In der Badewanne der Geschichte ähnelt sie einem Stück Seife, das man nur mit Mühe festhalten kann - vorausgesetzt, man findet es überhaupt."
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