Letzte Woche hat ein (über 50jähriger) Bekannter von mir folgende These aufgestellt:
Die Menschen, die mit (langjähriger) Krankheit geschlagen sind, führen ein reicheres Leben als Normal-Gesunde. Denn sie wachsen an ihrer Krankheit, werden dadurch stärker und sehen und genießen das Leben ganz anders als solche, die einfach immer sorglos hindurch gehen.
Er schien schon darüber nachgedacht zu haben, und wirklich zu meinen er hätte vll. etwas verpasst, weil er nie schwerwiegende gesundheitliche Probleme hatte, an denen er hätte wachsen können... (zumindest hat es sich so angehört)
Als er das so sagte, hätte ich am liebsten in den Raum gerufen, dass ich nicht zu den Normal-Gesunden gehöre (zu denen er mich aber offensichtlich auch zählt), und dass ich ein sorg- und schmerzloses Leben - bzw. eine Kindheit ohne Neurodermitis, aufgekratzte Arme in schlaflosen Nächten, Ausschlag im Gesicht und infolge dessen seltsame Blicke von den Leuten auf der Straße, usw. - auf jeden Fall vorgezogen hätte. Aber, na ja, das wäre keine schöne Diskussion geworden, und ich wäre sicher etwas ausgeflippt, was dann wieder seltsame und betroffene Blicke geerntet hätte. Also habe ich lieber geschwiegen (diese 2 Alternativen gibt es bei mir, (hyper)engagierte Mitsprache oder Schweigen - Ergebnis der Krankheit

).
Trotzdem geht mir dieser Gedankengang nicht aus dem Kopf... Bereichert Krankheit das Leben eines Menschen? Ich glaube schon, dass sie einen verändert. Ich wäre ohne sie vermutlich ein anderer Mensch: viel extrovertierter, positiver und lebenslustiger, weniger nachdenklich und tiefgründig, würde wahrscheinlich keine Gedichte schreiben, zumindest keine so düsteren,... Und manchmal wünsche ich mir, ich könnte so ein Sorglos-Leben führen, ohne dauernde Grübeleien und das alles. Vll fehlte mir dann ein Stück meiner (jetzigen) Persönlichkeit, doch würde ich es dann vermissen? Ich glaube nicht, und wenn hätte ich wohl trotzdem keine schlaflosen Nächte deshalb (so wie jetzt

*gäähn*)
Er hat zwar schon irgendwie recht, aber die Wahl zwischen Gesundheit und mehr Tiefgründigkeit würde mir nicht schwer fallen -> Gesundheit!
So äußern (wie oben) kann sich doch eigentlich nur jemand, der ein vollkommen (oder weitestgehend) wohlbehütetes und sorgloses Leben hatte. Oder? Was meint ihr dazu?