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Leronoth

Kritischer Theoretiker

Date of registration: Sep 24th 2003

Posts: 7,082

1

Monday, October 23rd 2006, 10:08am

[Roman] Bukowski: Der Mann mit der Ledertasche

Vor einiger Zeit fiel mir recht unerwartet ein Roman von Charles Bukowski in die Hände.
Der Titel "Der Mann mit der Ledertasche" (gleichzeitig sein Debütroman) wirkte erst einmal nichtssagend und löste bei mir eher skeptische Blicke aus. Nichtsdestotrotz tat ich gut daran der Leseempfehlung zu folgen. Das Buch ist mit seinen kurzen Kapiteln, großzügigen Absätzen und etwa 200 Seiten ein Buch für einen langen (verregneten) Nachmittag oder eine Zugfahrt.
Der Schreibstil ist hart, ungehobelt, pulpig. Der Inhalt auf den ersten Blick nichts Besonderes. Er ist schnell zuammengefasst: Ein Mann nimmt einen Job bei der Post an, versucht eine konstante sexuelle Beziehung aufzubauen und wirft seinen Job genauso wie seine Frauen weg, um letztlich doch nur im Kreis zu laufen.
Neben ständigen Reibereien mit Vorgesetzten oder Briefempfängern und auf Körperlichkeit reduzierten Beziehungen hat das Leben des Briefträgers nicht viel zu bieten.
Doch durch die Reduktion aufs "Wesentliche" und die eigenwillige Darstellungsweise wird das Buch zu einem besonderen Erlebnis. Der Roman ist die unverblümte Beschreibung eines hektischen, ständig wechselnden aber gleichzeitig tristen Lebens. Teilweise bis zur Unkenntlichkeit verdreckt scheint immer die Öde der Realität durch, die einfach, direkt, teils vulgär, aber immer präzise und nie ohne Können und Stil dargestellt wird.

Wer mit dem oft vulgären und von Sexszenen dominierten Schreibstil Bukowskis klarkommt wird ein rasantes, teils nachdenkliches Leseerlebnis genießen können, welches so schnell nicht loslässt.
Herz voll Leid und Missgeschick,
Das voll sehnsucht Eden sucht,
Weine! - Oder sei verflucht!

Baudelaire
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Nephilim

Professional

Date of registration: Sep 27th 2003

Posts: 1,042

Gender: female

2

Monday, October 23rd 2006, 10:16am

ich kenn das buch auch schon länger.
mag bukowski sehr gern.
auch deswegen,weil ich finde,dass unter der ganzen obszönität doch ein gutes herz steckt.vielleicht sogar so etwas wie hoffnung.ist für mich besonders im mann mit der ledertasche deutlich worden.
kann mich der leseempfehlung nur anschließen.
und dazu noch die zahlreichgen kurzgeschichten empfehlen...die gedichte find ich persönlich nicht so gut,aber das ist wohl geschmackssache.
"Es gibt ja nur Gescheitertes. Indem wir wenigstens den Willen zum Scheitern haben, kommen wir vorwärts und wir müssen in jeder Sache und in allem und jedem immer wieder wenigstens den Willen zum Scheitern haben, wenn wir nicht schon sehr früh zugrundegehen wollen, was tatsächlich nicht die Absicht sein kann, mit welcher wir da sind."

(Thomas Bernhard)
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