[Roman] Bukowski: Der Mann mit der Ledertasche
Vor einiger Zeit fiel mir recht unerwartet ein Roman von Charles Bukowski in die Hände.
Der Titel "Der Mann mit der Ledertasche" (gleichzeitig sein Debütroman) wirkte erst einmal nichtssagend und löste bei mir eher skeptische Blicke aus. Nichtsdestotrotz tat ich gut daran der Leseempfehlung zu folgen. Das Buch ist mit seinen kurzen Kapiteln, großzügigen Absätzen und etwa 200 Seiten ein Buch für einen langen (verregneten) Nachmittag oder eine Zugfahrt.
Der Schreibstil ist hart, ungehobelt, pulpig. Der Inhalt auf den ersten Blick nichts Besonderes. Er ist schnell zuammengefasst: Ein Mann nimmt einen Job bei der Post an, versucht eine konstante sexuelle Beziehung aufzubauen und wirft seinen Job genauso wie seine Frauen weg, um letztlich doch nur im Kreis zu laufen.
Neben ständigen Reibereien mit Vorgesetzten oder Briefempfängern und auf Körperlichkeit reduzierten Beziehungen hat das Leben des Briefträgers nicht viel zu bieten.
Doch durch die Reduktion aufs "Wesentliche" und die eigenwillige Darstellungsweise wird das Buch zu einem besonderen Erlebnis. Der Roman ist die unverblümte Beschreibung eines hektischen, ständig wechselnden aber gleichzeitig tristen Lebens. Teilweise bis zur Unkenntlichkeit verdreckt scheint immer die Öde der Realität durch, die einfach, direkt, teils vulgär, aber immer präzise und nie ohne Können und Stil dargestellt wird.
Wer mit dem oft vulgären und von Sexszenen dominierten Schreibstil Bukowskis klarkommt wird ein rasantes, teils nachdenkliches Leseerlebnis genießen können, welches so schnell nicht loslässt.
Herz voll Leid und Missgeschick,
Das voll sehnsucht Eden sucht,
Weine! - Oder sei verflucht!
Baudelaire