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Antigone

Fred-Töter

Registrierungsdatum: 20. Februar 2006

Beiträge: 1 633

1

Freitag, 22. Dezember 2006, 12:30

Monogamie vs. Polyamour

Nachdem Lero das Thema ja schon angeschnitten hat, und Riveda ebenso, dachte ich, ich starte mal einen Thread dazu.

Ich habe hier ein Zitat aus Michael Mary: Fünf Wege die Liebe zu leben (S. 171):
Nebenbeziehungen als sinnvolle Entwicklungen
Regression aushalten, Selbstbewusstsein entwickeln, Regeln finden – das ist ganz sicher anstrengend, und wer in ein Dreieck oder Viereck gerät, erlebt zweifellos emotional belastende Situationen. Selten handelt es sich hierbei jedoch um Zufall, sondern es birgt einen Sinn, und jeder Beteiligte kann von der Situation profitieren. Eine Nebenbeziehung bietet nämlich Herausforderungen. Sie ist ein Lehrstück in Selbstbehauptung, Abgrenzung und Öffnung, in der Begegnung mit eigenen Ängsten und der Sehnsucht nach Weitung, im Ja-Sagen und Nein-Sagen. Drei- oder Viereck sind letztlich Aufforderung dazu, Klarheit und gegebenenfalls mehr Unabhängigkeit zu finden, weshalb sie nicht selten dort entstehen, wo zu viel an Unklarheit und Abhängigkeit herrscht.

Ich kann das aus eigener Erfahrung so unterschreiben.

Meine Frage an Euch: Warum lebt ihr monogam/polygam?

Sapere aude!
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Kedyns Krähe

Kritiker ;-)

Registrierungsdatum: 12. Oktober 2004

Beiträge: 2 960

2

Freitag, 22. Dezember 2006, 13:26

irgendwie lese ich in dem text nur einen philosophisch/wissenschaftlichen weg zur selbstbehauptung und nichts von Liebe und in dem sinne kann ich dann sagen, dass ich keine polygamie brauche, da ich keine Ausbildung in "Selbstbehauptung, Abgrenzung und Öffnung, in der Begegnung mit eigenen Ängsten und der Sehnsucht nach Weitung, im Ja-Sagen und Nein-Sagen" brauche.

Den letzten Absatz beachtend:

Zitat

Drei- oder Viereck sind letztlich Aufforderung dazu, Klarheit und gegebenenfalls mehr Unabhängigkeit zu finden, weshalb sie nicht selten dort entstehen, wo zu viel an Unklarheit und Abhängigkeit herrscht.
; denke ich immer mehr, dass Polyamour mehr Weg zur Selbstfindung als Liebesbeziehung ist?!

___

Ich denke, man muss einfach der Mensch dafür sein. Und wer es nicht ist, kann es nur schwer verstehen.

__
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Leronoth

Kritischer Theoretiker

Registrierungsdatum: 24. September 2003

Beiträge: 7 082

3

Freitag, 22. Dezember 2006, 14:22

Schon die form von haupt und nebenbeziehungen würde ich kritisieren. Die spezifika der einzelnen beziehungen soltlen a meines erachtens hervorgehoben werdne ohne zu werten.
Prinzipiell halte ich das thema für sehr komplex. Der mensch wird in dieser gesellschaft monogam sozialisiert, ein polyamourer mensch hat mit vielen sozialen und eigenen hürden zu kämpen. Viele menschen dneken noch nicht einmal über die möglichkeit einer nicht monogamen beziehung nach.
Monogamie ist meines erahctens eine ideologie, welche sich aus den kapitalistischen zwängen der reproduktion der arbeitskraft ergibt. Monogamie ist in bestimmten historischen phasen zur steigerung der kapitalistischen effizienz vollkommen legitim, schließt sich jedoch mit einer befreiten gesellschaft aus. Die miteinhergehnden zwänge der triebsreduzierung auf einen menschen, der eifersucht, des liebeskummers etc.pp. stehen eben dem bedingungslosen glück entgegen.

Die momentanen geselslchaftlichen umstände machen die forderung nach "treue ohne ausschließlichkeit" (welche ich als zentral für die polyarmour ansehe) sehr schwierig. Dies macht auch das gespräch über polyarmour schwirerig. nicht umsonst wirkt schon das ansprechen oft als angriff, da es die selbstverständlichkeit er momentanen gesellschaft angreift.

da ich grad was ungeordnet bin, möchte ich da ganz gerne einen aphorismus von Adorno einwerfen, den ich stellenweise noch ncith wirklich begriffen habe, in der grundtendenz aber erhellend wirken kann:

Minima Moralia - 49

"Moral und Zeitordnung. - Während die Literatur alle psychologischen Arten erotischer Konflikte behandelt hat, ist der einfachste auswendige Konfliktstoff unbeachtet geblieben um seiner Selbstverständlichkeit willen. Das ist das Phänomen des Besetztseins: daß ein geliebter Mensch sich uns versagt nicht wegen innerer Antagonismen und Hemmungen, wegen zuviel Kälte oder zuviel verdrängter Wärme, sondern weil bereits eine Beziehung besteht, die eine neue ausschließt. Die abstrakte Zeitordnung spielt in Wahrheit die Rolle, die man der Hierarchie der Gefühle zuschreiben möchte. Es liegt im Vergebensein, außer der Freiheit von Wahl und Entschluß, auch ein ganz Zufälliges, das dem Anspruch der Freiheit durchaus zu widersprechen scheint. Selbst und gerade in einer von der Anarchie der Warenproduktion geheilten Gesellschaft würden schwerlich Regeln darüber wachen, in welcher Reihenfolge man Menschen kennenlernt. Wäre es anders, so müßte ein solches Arrangement dem unerträglichsten Eingriff in die Freiheit gleichkommen. Daher hat denn auch die Priorität des Zufälligen mächtige Gründe auf ihrer Seite: wird einem Menschen ein neuer vorgezogen, so tut man jenem allemal Böses an, indem die Vergangenheit des gemeinsamen Lebens annulliert, Erfahrung selber gleichsam durchstrichen wird. Die Irreversibilität der Zeit gibt ein objektives moralisches Kriterium ab. Aber es ist dem Mythos verschwistert wie die abstrakte Zeit selbst. Die in ihr gesetzte Ausschließlichkeit entfaltet sich ihrem eigenen Begriff nach zur ausschließenden Herrschaft hermetisch dichter Gruppen, schließlich der großen Industrie. Nichts rührender als das Bangen der Liebenden, die Neue könnte Liebe und Zärtlichkeit, ihren besten Besitz, eben weil sie sich nicht besitzen lassen, auf sich ziehen, gerade vermöge jener Neuheit, die vom Vorrecht des Älteren selber hervorgebracht wird. Aber von diesem Rührenden, mit dem zugleich alle Wärme und alles Geborgensein zerginge, führt ein unaufhaltsamer Weg über die Abneigung des Brüderchens gegen den Nachgeborenen und die Verachtung des Verbindungsstudenten für seinen Fuchs zu den Immigrationsgesetzen, die im sozialdemokratischen Australien alle Nichtkaukasier draußen halten, bis zur faschistischen Ausrottung der Rasseminorität, womit dann in der Tat Wärme und Geborgensein ins Nichts explodieren. Nicht nur sind, wie Nietzsche es wußte, alle guten Dinge einmal böse Dinge gewesen: die zartesten, ihrer eigenen Schwerkraft überlassen, haben die Tendenz, in der unausdenkbaren Roheit sich zu vollenden.

Es wäre müßig, aus solcher Verstrickung den Ausweg weisen zu wollen. Doch läßt sich wohl das unheilvolle Moment benennen, das jene ganze Dialektik ins Spiel bringt. Es liegt beim ausschließenden Charakter des Ersten. Die ursprüngliche Beziehung, in ihrer bloßen Unmittelbarkeit, setzt bereits eben jene abstrakte Zeitordnung voraus. Historisch ist der Zeitbegriff selber auf Grund der Eigentumsordnung gebildet. Aber das Besitzenwollen reflektiert die Zeit als Angst vor dem Verlieren, der Unwiederbringlichkeit. Was ist, wird in Beziehung zu seinem möglichen Nichtsein erfahren. Damit wird es erst recht zum Besitz gemacht und gerade in solcher Starrheit zu einem Funktionellen, das für anderen äquivalenten Besitz sich austauschen ließe. Einmal ganz Besitz geworden, wird der geliebte Mensch eigentlich gar nicht mehr angesehen. Abstraktheit in der Liebe ist das Komplement der Ausschließlichkeit, die trügerisch als das Gegenteil, als das sich Anklammern an dies eine so Seiende in Erscheinung tritt. Dies Festhalten verliert gerade sein Objekt aus den Händen, indem es zum Objekt gemacht wird, und verfehlt den Menschen, den es auf Meinen Menschen« herunterbringt. Wären Menschen kein Besitz mehr, so könnten sie auch nicht mehr vertauscht werden. Die wahre Neigung wäre eine, die den anderen spezifisch anspricht, an geliebte Züge sich heftet und nicht ans Idol der Persönlichkeit, die Spiegelung von Besitz. Das Spezifische ist nicht ausschließlich: ihm fehlt der Zug zur Totalität. Aber in anderem Sinne ist es doch ausschließlich: indem es die Substitution der unlösbar an ihm haftenden Erfahrung - zwar nicht verbietet, aber durch seinen reinen Begriff gar nicht erst aufkommen läßt. Der Schutz des ganz Bestimmten ist, daß es nicht wiederholt werden kann, und eben darum duldet es das andere. Zum Besitzverhältnis am Menschen, zum ausschließenden Prioritätsrecht, gehört genau die Weisheit: Gott, es sind alles doch nur Menschen, und welcher es ist, darauf kommt es gar nicht so sehr an. Neigung, die von solcher Weisheit nichts wüßte, brauchte Untreue nicht zu fürchten, weil sie gefeit wäre vor der Treulosigkeit. "
Herz voll Leid und Missgeschick,
Das voll sehnsucht Eden sucht,
Weine! - Oder sei verflucht!

Baudelaire
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Nebelkatze

Fortgeschrittene

Registrierungsdatum: 19. März 2006

Beiträge: 292

Geschlecht: Weiblich

4

Freitag, 22. Dezember 2006, 22:09

Bei mir hat eine Beziehung was mit Liebe zu tun
und ich bin so ein Mensch, der nur einen auf einmal aus vollen Herzen lieben kann. Wobei ich auch da eine gewisse Zuneigung/verliebtheit zu jemand anderen spüren kann. Die wahre Liebe bleibt immer, also könnte ich nicht polyamour leben. Ich würde mich wahnsinnig schlecht fühlen, da ich dann ja den den ich Liebe quasi betrüge. Das läuft in meinem Gehirn nicht. Außerdem könnte ich es nicht mit ansehen, wie der den ich Liebe mit einer anderen, was weis ich, intim wird o.ä..
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Riveda

Profi

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Beiträge: 1 151

5

Freitag, 22. Dezember 2006, 23:42

Eigentlich hat Adorno alles gesagt, was zu sagen ist.
"Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen." (Theodor W. Adorno)
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Horrid

Fortgeschrittener

Registrierungsdatum: 23. August 2006

Beiträge: 254

Geschlecht: Männlich

6

Freitag, 22. Dezember 2006, 23:45

für mich ist das thema z.Z. seeehr einfach!

weder noch ... :(
Run! ..... or BURN!


many times I think I'm crazy... other times I know I'm not
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Registrierungsdatum: 11. Oktober 2003

Beiträge: 3 270

7

Samstag, 23. Dezember 2006, 06:56

Zitat

Original von Velvet Tear 666
Bei mir hat eine Beziehung was mit Liebe zu tun
und ich bin so ein Mensch, der nur einen auf einmal aus vollen Herzen lieben kann. Wobei ich auch da eine gewisse Zuneigung/verliebtheit zu jemand anderen spüren kann. Die wahre Liebe bleibt immer, also könnte ich nicht polyamour leben. Ich würde mich wahnsinnig schlecht fühlen, da ich dann ja den den ich Liebe quasi betrüge. Das läuft in meinem Gehirn nicht. Außerdem könnte ich es nicht mit ansehen, wie der den ich Liebe mit einer anderen, was weis ich, intim wird o.ä..


Dem kann ich beipflichten. Wahre Worte..

Dys
Liebe ist wie der Wind - Man kann sie nicht sehen, aber fühlen!
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Antigone

Fred-Töter

Registrierungsdatum: 20. Februar 2006

Beiträge: 1 633

8

Samstag, 23. Dezember 2006, 16:24

Zitat

Original von Kedyns Krähe
denke ich immer mehr, dass Polyamour mehr Weg zur Selbstfindung als Liebesbeziehung ist?!


Mhm... Wie soll man Liebe in Worte fassen? Ich finde es ausgesprochen schwierig das, was an Liebe in polyamurösen Beziehungen abläuft, in Worte zu fassen bzw. Liebe allgemein.
Ich denke eher, dass die Selbstfindung ein Nebenaspekt ist, der quasi automatisch statt findet, da die Mehrheit der Menschen eben doch darauf geprägt ist, in einer Partnerschaft erstmal Symbiose einzugehen, eine Partnerschaft als ausschließlich zu definieren etc. Und plötzlich stößt man da an eine Grenze. Man fühlt sich hin und her gerissen zwischen zwei Menschen, zwischen Sozialisierung und Gefühlen. Und an diesem Punkt muss IMO Selbstfinden/-entwicklung automatisch statt finden.

Wie gesagt, aus Erfahrung würde ich diesen Satz unterschreiben. Ich würde meine Beziehung, die ich vor 5 Jahren geführt habe, durchaus als "abhängig" bezeichnen. Und alle anderen Beziehungen in die ich durch Affären/polyamouröse Beziehungen einblick bekommen habe, ebenfalls. Es gab keine klare Abgrenzung zwischen Du, wir und ich - und so erfahre ich Beziehungen in meinem Umfeld im Allgemeinen.


Zitat

Ich denke, man muss einfach der Mensch dafür sein. Und wer es nicht ist, kann es nur schwer verstehen.


Ja, in gewisser Weise schon. Ich denke Grundvoraussetzung ist der Wille zur Selbstreflexion und Offenheit für Neues und Mut zur Veränderung. Diese Eigenschaften hat sicher nicht jeder Mensch.
_____________________________________

Zitat

Original von Leronoth
Schon die form von haupt und nebenbeziehungen würde ich kritisieren. Die spezifika der einzelnen beziehungen soltlen a meines erachtens hervorgehoben werdne ohne zu werten.


Jein. ;) Grundsätzlich würde ich dem zustimmen. Allerdings würde ich beispielsweise nicht mit jedem Mann, mit dem ich Sex habe/eine polyamuröse Beziehung führe, Kinder haben wollen. Auch wohne ich derzeit eben mit dem Mann zusammen, mit dem ich seit 10 Jahren eine Beziehung führe. Und daran möchte ich derzeit auch nichts ändern.
Ich finde es grundsätzlich auch wichtig diese Wertung beiseite zu lassen. Vielleicht sollte man eben in diesem Fall tatsächlich von Spezifika sprechen. Nur würden die meisten Menschen dennoch aufgrund dieser Spezifika, die Beziehung, die ich mit meinem Mann führe, als "Hauptbeziehung" bezeichnen.

Zitat

Monogamie ist meines erahctens eine ideologie, welche sich aus den kapitalistischen zwängen der reproduktion der arbeitskraft ergibt.


Finde ich jetzt nicht. Wenn wir in einer polygamen Gesellschaft leben würde, gäbe es vielleicht sogar mehr Kinder. ;)

Adorno würde ich mit einem Zitat aus Clerks zusammenfassen: "Territorially, she was mine first." ;)
Allerdings verstehe ich das Ende des ersten Absatzes nicht so ganz, ab "Aber von diesem Rührenden..."
Den Rest finde ich sehr einleuchtend. Besonders was das Besitzdenken betrifft, bekomme ich in regelmäßigen Abständen Anfälle. Okay, ich gebe zu, dass es nicht leicht ist/war diese Denkweise zu überwinden, aber es bringt einem nicht wirklich was. Sicherheit hat man in Beziehungen nie, egal ob man monogam oder polyamourös lebt.
__________________________________

Zitat

Origina von Velvet Tear 666
Bei mir hat eine Beziehung was mit Liebe zu tun


Wieso sollte bei mir Beziehung nicht etwas mit Liebe zu tun haben? Deine Aussage impliziert nämlich, dass bei polyamourösen Menschen Beziehung nicht etwas mit Liebe zu tun haben könnte. Ich liebe meinen Mann ebenfalls. Und ich lieb(t)e auch meine Frau. [Wobei diese Beziehung aufgrund von anerzogenen Eigenschaften, wie Eifersucht, Besitzdenken und Hierarchisierung, gescheitert ist.]
Wieso kann man offensichtlich alle seine Freunde lieben, seine Eltern lieben, seine Geschwister und sonstige Verwandten lieben ohne das als Ausschlusskriterium für die Liebe gegenüber einem anderen Freund, dem anderen Elternteil, den anderen Geschwistern... zu sehen?
Und wieso wird Liebe in Abhängigkeit zu Sexualität gesetzt? Denn darum geht es doch letztendlich, oder verstehe ich Dich da falsch? Was teilst Du sonst mit dem Menschen mit dem Du "wahre Liebe" teilst, was Du nicht auch durchaus mit Freunden machen könntest? Wieso betrügst man seine/-n Freund/Freundin nicht, wenn man mit jemandem anderen ins Kino geht? Wieso betrügt man seine/-n Freund/Freundin nicht, wenn man mit anderen Menschen als ihm/ihr in einer WG lebt? Und wieso kann man es mit ansehen, wenn der/die Freund/Freundin mit jemand anderem ins Kino geht/in Urlaub fährt etc.?

Danke für Eure Antworten. :)
______________________

Disclaimer:
Ich möchte darauf hinweisen, dass es mir in diesem Thread wirklich um Austausch geht. Ich versuche zu verstehen, wieso Menschen monogam leben/denken/fühlen, weil ich deswegen in Beziehungen immer wieder an Grenzen zu stoßen scheine, die für diese Menschen offensichtlich unüberwindlich scheinen. Ich hab den Thread nicht eröffnet, um irgendjemanden zu verletzten oder zu provozieren - auch meine weiteren Antworten sind nicht so gemeint. Falls dies dennoch passieren sollte, tut es mir aufrichtig leid.

Sapere aude!
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Registrierungsdatum: 27. September 2003

Beiträge: 1 042

Geschlecht: Weiblich

9

Samstag, 23. Dezember 2006, 18:26

Zitat

Original von Leronoth

Monogamie ist meines erahctens eine ideologie, welche sich aus den kapitalistischen zwängen der reproduktion der arbeitskraft ergibt. Monogamie ist in bestimmten historischen phasen zur steigerung der kapitalistischen effizienz vollkommen legitim, schließt sich jedoch mit einer befreiten gesellschaft aus. Die miteinhergehnden zwänge der triebsreduzierung auf einen menschen, der eifersucht, des liebeskummers etc.pp. stehen eben dem bedingungslosen glück entgegen.



hm,ich denke nicht,dass eine monogame beziehung diese zwänge mit sich bringen muss.so kann der trieb zum beispiel auch einfach durch einen menschen befriedigt werden und eifersucht ist zuerst einmal eine menschliche chraktereigenschaft,kein merkmal monogamer beziehungen.
ich denke,es ist falsch,monogame beziehungen mit zwang und polyamour beziehungen mit freiheit gleichzusetzen.so gibt z.b. auch paare,die unbedingt offene beziehungen führen mussen,weil alles andere zu zwanghaft erscheint und für die letztendlich diese offenheit zum zwang und zur qual wird.
es kann halt nicht jeder mit polyamour-beziehungen oder mit monogamen konstellationen umgehen und das ist auch in ordnung so,denke ich.
weder das eine oder das andere ist zu verurteilen.
womit ich nicht abstreiten will,dass sexualität auch gesellschaftlich konstruiert ist.
wann jedoch eine beziehung zum zwang wird und wann sie freiheiten eröffnet,das hängt zuallererst von den beteiligten personen und deren charakterdispositionen ab.und da spielt es keine rolle,ob es zwei,drei,vier oder fünf sind,die was am laufen haben.
"Es gibt ja nur Gescheitertes. Indem wir wenigstens den Willen zum Scheitern haben, kommen wir vorwärts und wir müssen in jeder Sache und in allem und jedem immer wieder wenigstens den Willen zum Scheitern haben, wenn wir nicht schon sehr früh zugrundegehen wollen, was tatsächlich nicht die Absicht sein kann, mit welcher wir da sind."

(Thomas Bernhard)
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Ira

Halbkind

Registrierungsdatum: 28. Februar 2005

Beiträge: 2 345

Geschlecht: Weiblich

10

Samstag, 23. Dezember 2006, 18:26

Hmmm...ich möchte mich nur kurz dazu äußern, weil ich aus Rücksicht auf verschiedene Menschen nicht näher auf dieses Thema eingehen will.
Ich finde es unangenehm, wenn ich rauslese - was natürlich auch subjektive Wahrnehmung sein kann - dass ich "symbiotisch" und in Abhängigkeit ohne Eigenständigkeit lebe, weil ich monogam lebe. Es mag mit der Sozialisierung zu tun haben, durchaus, aber ich fühle mich in seriell monogamen Beziehungen wohler als in einer polyamourösen. Aber gut, Tigo, du schreibst ja schon, dass du niemanden angreifen möchtest...interessanter Thread in jedem Fall, nur aufpassen, dass es nicht zu einem gegen-Monogamie-Hetze-Thread verkommt.
Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, -
denn er muss meine einsame Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten -
seit mein Engel mich nicht mehr bewacht.

(Rilke, Engelslieder)
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Nebelkatze

Fortgeschrittene

Registrierungsdatum: 19. März 2006

Beiträge: 292

Geschlecht: Weiblich

11

Samstag, 23. Dezember 2006, 21:21

Zitat

Original von Antigone


Zitat

Origina von Velvet Tear 666
Bei mir hat eine Beziehung was mit Liebe zu tun


Wieso sollte bei mir Beziehung nicht etwas mit Liebe zu tun haben? Deine Aussage impliziert nämlich, dass bei polyamourösen Menschen Beziehung nicht etwas mit Liebe zu tun haben könnte. Ich liebe meinen Mann ebenfalls. Und ich lieb(t)e auch meine Frau. [Wobei diese Beziehung aufgrund von anerzogenen Eigenschaften, wie Eifersucht, Besitzdenken und Hierarchisierung, gescheitert ist.]
Wieso kann man offensichtlich alle seine Freunde lieben, seine Eltern lieben, seine Geschwister und sonstige Verwandten lieben ohne das als Ausschlusskriterium für die Liebe gegenüber einem anderen Freund, dem anderen Elternteil, den anderen Geschwistern... zu sehen?
Und wieso wird Liebe in Abhängigkeit zu Sexualität gesetzt? Denn darum geht es doch letztendlich, oder verstehe ich Dich da falsch? Was teilst Du sonst mit dem Menschen mit dem Du "wahre Liebe" teilst, was Du nicht auch durchaus mit Freunden machen könntest? Wieso betrügst man seine/-n Freund/Freundin nicht, wenn man mit jemandem anderen ins Kino geht? Wieso betrügt man seine/-n Freund/Freundin nicht, wenn man mit anderen Menschen als ihm/ihr in einer WG lebt? Und wieso kann man es mit ansehen, wenn der/die Freund/Freundin mit jemand anderem ins Kino geht/in Urlaub fährt etc.


Das kann man aber auch nicht so einfach vergleichenm ich liebe meine Mutter und meine Brüder auch, aber ich war der Ansicht es geht hier um nicht-verwandschafliche Beziehungen! Das sind zwei paar Schuhe.
Ich habe ja auch nicht gesagt, dass deine (von meiner Seite aus genauso akzeptierte) polyamoure Lebensweise nichts mit Liebe zu tun hat!
Ich meinte ja nur, wie ich das sehe. Und das war ja dein Anliegen ?(

Zitat

Original von Antigone
Ich möchte darauf hinweisen, dass es mir in diesem Thread wirklich um Austausch geht. Ich versuche zu verstehen, wieso Menschen monogam leben/denken/fühlen.


Ich bin nunmal ein leicht Eifersüchtiger Mensch und gegen einen Kinobesuch sag ich ja auch nichts, aber bei mir fängt Betrug nunmal auch schon bei einem !gefühlvollen! Zungenkuss an. Es wäre einfach keine Lebensweise für mich persönlich. Weist du?
Ich wollte dich aber keineswegs in irgendeiner Weise angreifen!!!

LG Velvet
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Lia

Profi

Registrierungsdatum: 23. April 2004

Beiträge: 869

Geschlecht: Weiblich

12

Sonntag, 24. Dezember 2006, 08:59

RE: Monogamie vs. Polyamour

Zitat

Original von Antigone
Sie ist ein Lehrstück in Selbstbehauptung, Abgrenzung und Öffnung, in der Begegnung mit eigenen Ängsten und der Sehnsucht nach Weitung, im Ja-Sagen und Nein-Sagen. Drei- oder Viereck sind letztlich Aufforderung dazu, Klarheit und gegebenenfalls mehr Unabhängigkeit zu finden,


Echt? O.o Nein, ich denke nicht, dass man dafür unbeding poloygam leben muss .... Selbstveriklichigung und Herausforderungen kann man duchaus auch mit einem Menschen erleben.
Außerdem ist es in meinen Augen viel schöner, und vor allem schon "anstrengend" genug seine Liebe einem Menschen zu geben ... :)
Auf das Glatteis mich zu wagen,
Um das Glück endlich zu fassen,
Fordert bleich der Wintermond:
Feigheit hat noch nie gesiegt.
Kampflos kann man nicht gewinnen,
Denn ob lieben oder hassen
Zeigt am Wendepunkt der Zeiten
Was in der Sekunde liegt
...
Als die Stunde Null sich lichtet
Weicht die Angst aus allen Poren:
Der Versuch war nicht verloren!
Wenn der Morgen Zukunft dichtet
Und die Furcht in Scherben zwängt
Schlägt mein Herz an dich gedrängt

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Lia« (24. Dezember 2006, 09:00)

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mina

Profi

Registrierungsdatum: 30. Juni 2005

Beiträge: 1 116

Geschlecht: Weiblich

13

Sonntag, 24. Dezember 2006, 14:24

hmmm ... ich kann nur von mir sprechen ... in meiner ersten ernsthaften und längeren beziehung war ich monogam ... ich finde wenn ich jemanden liebe und alles passt ... brauch ich keinen anderen ... wenn es nicht passt dann muss man sowieso was ändern oder notfalls einen schlussstrich ziehen ...

seid zwei monaten bin ich in einer neuen beziehung und kann nur sagen dass ich sehr glücklich bin ... da brauch ich keinen anderen ...

ich bin eine leidenschaftliche flirterin ... doch dass ist ok ... denn ich würde nie weiter gehen ... und vertrauen ist in einer beziehung sehr wichtig ... und das tut mein partner ...
just because i don't care doesn't mean i don't understand ...
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Leronoth

Kritischer Theoretiker

Registrierungsdatum: 24. September 2003

Beiträge: 7 082

14

Sonntag, 24. Dezember 2006, 23:38

Zitat

Original von Nephilim
und eifersucht ist zuerst einmal eine menschliche chraktereigenschaft,kein merkmal monogamer beziehungen.

ich halte in dem kontext irgendwelche versuche in anthropologie für falsch. Monogamie ist erstmal eine gesellschaftlich konstruierte form und es ist nicht möglich eifersucht als anthropologische konstante zu definieren. ich denke das auch das rein emotionale gefühl der eifersucht massiv durch gesellschaftliche verhältnisse hervorgebrahct wird.
hypostasierung von menschlichen Eigenschaft meint meist resignation gegenüber dem Satuts Quo.

Das modell der polyamourösität geht meines erachtens wesentlich differentierter an gefühlsangelegenheiten heran, trennt nicht so abrupt in "beziehung" und "freundschaft" und ermöglicht möglichst hohe autonomie da sie freiheit besteht die monogamie zu verlassen wenn das bedürfniss vorhanden ist. Diese loslösung von der beziehungsform ist bei einer monogamen beziehung schon ad definitionem unmöglich, wenn sie nicht aufgelöst wird. das wäre meine kritik an dieser.
Herz voll Leid und Missgeschick,
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Baudelaire
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Beiträge: 1 042

Geschlecht: Weiblich

15

Mittwoch, 27. Dezember 2006, 17:09

Zitat

Original von Leronoth

Zitat

Original von Nephilim
und eifersucht ist zuerst einmal eine menschliche chraktereigenschaft,kein merkmal monogamer beziehungen.

ich halte in dem kontext irgendwelche versuche in anthropologie für falsch. Monogamie ist erstmal eine gesellschaftlich konstruierte form und es ist nicht möglich eifersucht als anthropologische konstante zu definieren. ich denke das auch das rein emotionale gefühl der eifersucht massiv durch gesellschaftliche verhältnisse hervorgebrahct wird.
hypostasierung von menschlichen Eigenschaft meint meist resignation gegenüber dem Satuts Quo.


hm,ich habe auch nicht im sinne einer anthropologischen konstante gesprochen.denn ich habe nicht behauptet, dass es eifersucht zu allen zeiten bei allen völkern gegeben hat.wenngleich das ein interesantes untersuchungsobjekt wäre.denn ich denke,dass die idee von besitz,die ja hinter der der eifersucht steht,eventuell schon im menschlichen wesen bzw. in der vergesellschaftung des menschlichen wesens gegeben ist.vielleicht gibt es auch eine evolututionstheoretische erklärung der eifersucht,ich weiß es nicht.
wie dem auch sei,will ich eigentlich sagen,dass die idee,eifersucht wäre gesellschaftlich bedingt, so auch nicht richtig ist.es gibt genug menschen,die in dieser gesellschaft leben und nicht eifersüchtig sind.ich finde es einfach nicht richtig,zu berhaupten,die menschliche psyche wäre in ihrer komplexität(zu der nun mal auch gehört,dass einer eifersüchtig ist und der nächste vielleicht nicht) rein gesellschaftlich bedingt.
das ist jetzt etwas konfus,dennoch hoffe ich,es ist klar geworden,was ich meine.
"Es gibt ja nur Gescheitertes. Indem wir wenigstens den Willen zum Scheitern haben, kommen wir vorwärts und wir müssen in jeder Sache und in allem und jedem immer wieder wenigstens den Willen zum Scheitern haben, wenn wir nicht schon sehr früh zugrundegehen wollen, was tatsächlich nicht die Absicht sein kann, mit welcher wir da sind."

(Thomas Bernhard)
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Antigone

Fred-Töter

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16

Mittwoch, 27. Dezember 2006, 19:03

Zitat

Original von Velvet Tear 666
Das kann man aber auch nicht so einfach vergleichenm ich liebe meine Mutter und meine Brüder auch, aber ich war der Ansicht es geht hier um nicht-verwandschafliche Beziehungen! Das sind zwei paar Schuhe.
Ich habe ja auch nicht gesagt, dass deine (von meiner Seite aus genauso akzeptierte) polyamoure Lebensweise nichts mit Liebe zu tun hat!
Ich meinte ja nur, wie ich das sehe. Und das war ja dein Anliegen ?(


Und bei solchen Aussagen frage ich mich immer wieder wie unterscheide ich Liebe? Ist Liebe nicht schlicht und ergreifend Liebe? Wird Liebe nicht einfach nur in unterschiedlichen Formen ausgelebt?

Naja, Deine Aussage:

Zitat

Bei mir hat eine Beziehung was mit Liebe zu tun
kann man aber eben auch durchaus in die Richtung deuten/verstehen, dass bei anderen Menschen "Beziehung nichts mit Liebe zu tun hat" (was durchaus vorkommt).

Zitat


Ich bin nunmal ein leicht Eifersüchtiger Mensch und gegen einen Kinobesuch sag ich ja auch nichts, aber bei mir fängt Betrug nunmal auch schon bei einem !gefühlvollen! Zungenkuss an. Es wäre einfach keine Lebensweise für mich persönlich. Weist du?
Ich wollte dich aber keineswegs in irgendeiner Weise angreifen!!!


Nein, ich fühlte mich auch nicht angegriffen, ich wollte Dir lediglich mit meiner weiteren Argumentation aufzeigen, in welcher Weise dieser Satz durchaus verstanden werden kann.
Ich bin auch sehr eifersüchtig. Aber ehrlich gesagt, ich habe gemerkt, dass ich mit Eifersucht meinem Partner und mir weh tue, unsere Beziehung unter Druck setze/belaste. Ich habe irgendwann beschlossen, dass mir Eifersucht zu destruktiv ist. Und habe letztlich die Erfahrung gemacht, dass sich Liebe immer potentiert. Je mehr Liebe man gibt, desto mehr bekommt man zurück.

Zitat

Original von Mina
ich finde wenn ich jemanden liebe und alles passt ... brauch ich keinen anderen ... wenn es nicht passt dann muss man sowieso was ändern oder notfalls einen schlussstrich ziehen ...


Ich verstehe diese Ausschließlichkeit einfach nicht (mehr). Ich verstehe nicht, wieso ein Mensch einem alles geben können muss. ?( Bzw. hab ich es mich vorher einfach nicht gefragt, sondern einfach so gelebt, ohne es zu hinterfragen.

@Lero & Nephilim: m.W. gibt es solch eine Studie, die herausgefunden hat, dass es in bestimmten, polygam lebenden Gesellschaften, keine Wörter für "Eifersucht" gibt. (Ich muss aber nochmal nachschlagen, woher diese Aussage kam, war aber definitiv bei Michael Mary.)
Ich gehe schon davon aus, dass Eifersucht ein "kulturellbedingtes Phänomen" ist.

@Ira: Es tut mir leid, wenn Du Dich angegriffen fühlst, das möchte ich wirklich nicht. Ich möchte mich mit intelligenten, jungen Menschen darüber austauschen. In anderen Foren, in denen ich mich rumtreibe, macht das wenig Sinn, denn da vertreten die Menschen bi- oder polygame Beziehungsformen. Durchaus magst Du ein Auslöser dafür sein, dass das Thema gerade wieder aktuell geworden ist. Aber es beschäftigt mich schon seit Jahren immer wieder. Und ansonsten, Du sagtest es ja schon: subjektive Wahrnehmung - ich schrieb ja: "so erfahre ich Beziehunge in meinem Umfeld im Allgemeinen".

Sapere aude!
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Nebelkatze

Fortgeschrittene

Registrierungsdatum: 19. März 2006

Beiträge: 292

Geschlecht: Weiblich

17

Mittwoch, 27. Dezember 2006, 21:40

Zitat


kann man aber eben auch durchaus in die Richtung deuten/verstehen, dass bei anderen Menschen "Beziehung nichts mit Liebe zu tun hat" (was durchaus vorkommt).



Also wenn eine Beziehung ohne Liebe existiert, dann ist das in meinen Augen keine Beziehung, die ich auch nur in einer Sichtweise führen könnte. Wo zu ist man dann “zusammen”? Geht es dabei dann nur um körperlichkeiten? Oder einfach nur um die Sicherheit, dass jemand da ist?

Zitat


Und bei solchen Aussagen frage ich mich immer wieder wie unterscheide ich Liebe? Ist Liebe nicht schlicht und ergreifend Liebe? Wird Liebe nicht einfach nur in unterschiedlichen Formen ausgelebt?


Ich sehe da doch deutliche Unterschiede. Zwar im Grundkern nicht (bei mir z.B. ein-leben-ohne-kann-ich-mir-nicht-vorstellen), aber ich fühle mich zu meinem Freund hingezogen, ich will ihn ausführlich küssen, mit ihm schlafen, eben all das was man als Paar so macht. Etwas was ich nicht für meine Mutter oder meine Brüder fühle. Ok, zugegeben, Sex und Liebe muss nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben, aber bei mir schon.
Mir fehlen, ganz ehrlich, die richtigen Worte um dir meine Sichtweise dieses Unterschieds deutlich zu machen. Es liegt in meinem Herzen und meinem Gewissen., dass ich meinen Freund anders liebe als meine Mutter. Doch im Grunde geb ich dir ja auch recht, bei beiden fühle ich mich geborgen und wohl, warm, sicher. Aber es ist nicht das selbe.
à *abschweif* so eine Art angeborener und erlernter Reflex (um im Biobereich etwas vergleichbares zu legen)
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blacksmurf

Fortgeschrittener

Registrierungsdatum: 29. September 2006

Beiträge: 221

18

Donnerstag, 28. Dezember 2006, 09:59

Zitat

Original von Antigone

Ich verstehe diese Ausschließlichkeit einfach nicht (mehr). Ich verstehe nicht, wieso ein Mensch einem alles geben können muss. ?


liegt denn nicht genau in dieser vorstellung, man müsste alles gegeben bekommen - egal ob nun von nur einem oder von mehreren menschen - , der knackpunkt...?! wenn ich glücklich und zufrieden in mir selbst ruhe - dann doch hoffentlich nicht ausschließlich wegen eines anderen menschen, sondern doch auch und zum größten teil wegen meiner selbst willen. ich finde man macht sich in vielerlei gerne abhängig in beziehungen, auch von der vorstellung, dass man nur mit einem - oder wegen mir auch mehreren - partnern glücklich sein kann.
der abgerissene strick kann wieder geknotet werden.
er hält wieder, aber
er ist zerrissen.

vielleicht begegnen wir uns wieder, aber da
wo du mich verlassen hast
triffst du mich nicht wieder.

(Bertolt Brecht)
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Antigone

Fred-Töter

Registrierungsdatum: 20. Februar 2006

Beiträge: 1 633

19

Donnerstag, 28. Dezember 2006, 17:49

Zitat

Original von Velvet Tear 666

Zitat


kann man aber eben auch durchaus in die Richtung deuten/verstehen, dass bei anderen Menschen "Beziehung nichts mit Liebe zu tun hat" (was durchaus vorkommt).



Also wenn eine Beziehung ohne Liebe existiert, dann ist das in meinen Augen keine Beziehung, die ich auch nur in einer Sichtweise führen könnte. Wo zu ist man dann “zusammen”? Geht es dabei dann nur um körperlichkeiten? Oder einfach nur um die Sicherheit, dass jemand da ist?


Darauf wollte ich aber ja gar nicht hinaus. ;) Ich wollte Dir nur mitteilen, dass die Formulierung, die Du gewählt hattest, durchaus implizieren kann, dass eine nicht-monogame Beziehung eben nichts mit Liebe zu tun hat.

Ich könnte das auch nicht, eine Beziehung ohne Liebe. Aber ich definiere Liebe - offensichtlich - auch anders. Wenn ich jemandem sehr nah bin, ihm sehr intensiv vertraue, dann kann es mir eben passieren, dass ich mich auch sexuell zu ihm hingezogen fühle. Wenn ich diesem Menschen dann körperlich nah sein will, dann nenne ich das "Vertrautheit zelebrieren". Vielleicht in dem Sinne, dass Sex ein absoluter Vertrauensbeweis ist.

Zitat


Ich sehe da doch deutliche Unterschiede. Zwar im Grundkern nicht (bei mir z.B. ein-leben-ohne-kann-ich-mir-nicht-vorstellen), aber ich fühle mich zu meinem Freund hingezogen, ich will ihn ausführlich küssen, mit ihm schlafen, eben all das was man als Paar so macht. Etwas was ich nicht für meine Mutter oder meine Brüder fühle. Ok, zugegeben, Sex und Liebe muss nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben, aber bei mir schon.


Aber auch bei meinen Eltern habe ich das Bedürfnis meine Liebe körperlich auszudrücken, indem ich sie in den Arm nehme, sie streichel oder sie küsse. Einzig der Sex ist die Ausnahme. Und daher frage ich mich eben, warum man die Ausschließlichkeit partnerschaftliche Liebe offensichtlich auf Sex reduziert. Mich verbindet mit meinem Mann wesentlich mehr als die Tatsache, dass wir Sex haben.

Was heißt für Dich: "...all das, was man als Paar so macht..."?

Zitat


Mir fehlen, ganz ehrlich, die richtigen Worte um dir meine Sichtweise dieses Unterschieds deutlich zu machen. Es liegt in meinem Herzen und meinem Gewissen., dass ich meinen Freund anders liebe als meine Mutter. Doch im Grunde geb ich dir ja auch recht, bei beiden fühle ich mich geborgen und wohl, warm, sicher. Aber es ist nicht das selbe.
à *abschweif* so eine Art angeborener und erlernter Reflex (um im Biobereich etwas vergleichbares zu legen)


Ich glaube, da halte ich es eher mit Freud, was "Inzest" betrifft, handelt es sich IMO eher um ein erlerntes Tabu, als einen "angeborenen Reflex". ;)

Zitat

Original von blacksmurf
liegt denn nicht genau in dieser vorstellung, man müsste alles gegeben bekommen - egal ob nun von nur einem oder von mehreren menschen - , der knackpunkt...?! wenn ich glücklich und zufrieden in mir selbst ruhe - dann doch hoffentlich nicht ausschließlich wegen eines anderen menschen, sondern doch auch und zum größten teil wegen meiner selbst willen. ich finde man macht sich in vielerlei gerne abhängig in beziehungen, auch von der vorstellung, dass man nur mit einem - oder wegen mir auch mehreren - partnern glücklich sein kann.


Ja, ich glaube darin liegt der Knackpunkt. Ich denke aber auch, dass ich aufgrund dessen, dass ich in mir selbst Ruhe, mit mir selbst glücklich und zufrieden bin, und weiß, dass ich auch alleine leben könnte, durchaus in der Lage bin sowohl mit nur einem (wie die letzten 2 Jahre), als auch mit mehreren Menschen zusammen glücklich zu sein. Aber wenn ich nunmal glücklich bin, mich in einen Menschen verliebe, ihm so vertraue, dass ich ihm auch körperlich nah sein möchte, dann möchte ich mich nicht durch eine Ideologie, wie Lero es genannt hat, (oder ein anerzogenes Ideal) einschränken lassen.

Sapere aude!
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MoonCat

Träumerin

Registrierungsdatum: 1. August 2004

Beiträge: 1 661

Geschlecht: Weiblich

20

Freitag, 29. Dezember 2006, 02:35

Zitat

Original von Horrid
für mich ist das thema z.Z. seeehr einfach!

weder noch ... :(
dito (nur dass mein diesbezüglicher Smilie anders aussieht... :/)


aber ich hatte noch nie das Bedürfnis nach einer nicht-monogamen Beziehung, eher das Gegenteil (manchmal war mir selbst der eine Kerl zu viel... *g*)
.
ich weiß nicht weiter -- ich weiß nicht wo wir sind -- ich weiß nicht. weiter... *sing*
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Antigone

Fred-Töter

Registrierungsdatum: 20. Februar 2006

Beiträge: 1 633

21

Freitag, 29. Dezember 2006, 12:08

Zitat

Original von MoonCat
aber ich hatte noch nie das Bedürfnis nach einer nicht-monogamen Beziehung, eher das Gegenteil (manchmal war mir selbst der eine Kerl zu viel... *g*)


Wenn mir mein Mann mir unsere Gespräche - die ja rein theoretisch waren - in dem akuten Augenblick nicht wieder in Erinnerung gerufen hätte, wäre ich selber auch nicht drauf gekommen.

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Nebelkatze

Fortgeschrittene

Registrierungsdatum: 19. März 2006

Beiträge: 292

Geschlecht: Weiblich

22

Samstag, 30. Dezember 2006, 18:36

Zitat

Original von Antigone

Darauf wollte ich aber ja gar nicht hinaus. ;) Ich wollte Dir nur mitteilen, dass die Formulierung, die Du gewählt hattest, durchaus implizieren kann, dass eine nicht-monogame Beziehung eben nichts mit Liebe zu tun hat.


Ok, einverstanden, aber in diesem Sinne war es nicht gemeint. ;)

Zitat


Aber auch bei meinen Eltern habe ich das Bedürfnis meine Liebe körperlich auszudrücken, indem ich sie in den Arm nehme, sie streichel oder sie küsse. Einzig der Sex ist die Ausnahme. Und daher frage ich mich eben, warum man die Ausschließlichkeit partnerschaftliche Liebe offensichtlich auf Sex reduziert. Mich verbindet mit meinem Mann wesentlich mehr als die Tatsache, dass wir Sex haben.

Was heißt für Dich: "...all das, was man als Paar so macht..."?


Naja, also grundsätzlich ist es ja auch abhängig von den Familienverhältnissen her.
Natürlich reduziere ich partnerschaftliche Liebe nicht nur auf Sex! Das kann man auf Vertrauen zurückführen, ich persönlich rede mit meiner Mama über andere Dinge als mit meinem Liebsten. Aber ich glaube, dass liegt auch ein wenig an ihrem Alter und ihr ganz eigene (liebevoll seltsame) Art. Uns trennen fast 36 Jahre. Wofür ich meinen Ex z.B. geliebt habe war, dass er mit mir Sachen gemacht hat, die nie jemand anderes verstanden, geschweige denn mitgemacht hätte! Es sind die Sachen von denen mir warm ums Herz werden, die aus meinem tiefsten Unterbewusstsein kommen. Die sind dann durchaus Personenspezifisch. Wenn ich frühs neben meinem Bruder aufwachen würde, würde ich mich nicht unbedingt übermäßig glücklich fühlen. Bei meinem Freund schon. So ist mein ganz eigenes Empfinden und wie gesagt, jeder Mensch sieht das wahrscheinlich anders.
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Antigone

Fred-Töter

Registrierungsdatum: 20. Februar 2006

Beiträge: 1 633

23

Samstag, 30. Dezember 2006, 21:22

Zitat

Original von Velvet Tear 666
Naja, also grundsätzlich ist es ja auch abhängig von den Familienverhältnissen her.


Ja sicher! Vielleicht habe ich deswegen größere Verständnisschwierigkeiten mit den Dingen, die hier als Argumente für die "Ausschließlichkeit" von Partnern aufgeführt werden. In meiner Familie ist alles sehr innig. Es wird auf den Mund geküsst bei sehr nahestehenden Verwandten - also schon auch auf Vertrauen und Nähe basierend. Und auch heute kuschel ich noch mit meinen Eltern, das ist bei uns eben vollkommen normal.

Zitat


...ich persönlich rede mit meiner Mama über andere Dinge als mit meinem Liebsten. Aber ich glaube, dass liegt auch ein wenig an ihrem Alter und ihr ganz eigene (liebevoll seltsame) Art. Uns trennen fast 36 Jahre.


Naja... ich rede mit meinem Liebsten auch über andere Dinge, als mit meiner Mutter. Oder mit meiner besten Freundin über andere Dinge, als mit meinem Liebsten. Das verstehe ich eher als eine Frage der Interessenüberschneidungen, als eine Frage der Vertrautheit.

Zitat


Wofür ich meinen Ex z.B. geliebt habe war, dass er mit mir Sachen gemacht hat, die nie jemand anderes verstanden, geschweige denn mitgemacht hätte! Es sind die Sachen von denen mir warm ums Herz werden, die aus meinem tiefsten Unterbewusstsein kommen. Die sind dann durchaus Personenspezifisch. Wenn ich frühs neben meinem Bruder aufwachen würde, würde ich mich nicht unbedingt übermäßig glücklich fühlen. Bei meinem Freund schon. So ist mein ganz eigenes Empfinden und wie gesagt, jeder Mensch sieht das wahrscheinlich anders.


Naja... ja, das gibt es bei mir auch. Gestern Abend gerade. ;) Mein Liebster und ich haben auf Hessen die Hitparade der besten Comedy-Songs geguckt. Und wir konnten gemeinsam die gruseligsten Sachen mitsingen. ;) Das war definitiv eine "warm ums Herz"-Situation. Und in solchen Situationen sage ich auch aus tiefster Inbrunst "Ich liebe Dich".
Solche Situationen gibt es aber auch mit meiner besten Freundin, und mit der würde ich im Leben keinen Sex haben, das ist für mich ein Tabu, selbst wenn ich sie attraktiv finde.
Und solche innigen Situationen bei denen es mir warmu ums Herz wird, gibt es eben auch bei anderen Menschen.
Ich verstehe das wieder nicht.
Vielleicht sollte ich einfach anfangen zu akzeptieren, dass ich da offensichtlich vollkommen anders ticke und nicht dauernd versuchen andere Menschen zu verstehen... <seufz>

Sapere aude!
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